Fastenzeit

Der Aschermittwoch



Die Musik der Fastnachtstage ist verklungen, die Masken sind gefallen. Mit dem Aschermittwoch beginnt ungeschminkt die vorösterliche Buß- und Fastenzeit. Das Aschenkreuz, das wir uns am Aschermittwoch auf den Kopf zeichnen lassen, erinnert uns an unseren Lebensweg – an seinen Anfang und sein Ende: Als Geschöpfe Gottes sind wir der Vergänglichkeit unterworfen. In einer Zeit, in der blühendes Leben, Jugendlichkeit und Fitsein hoch im Kurs stehen, wo Fitnessstudios Hochkonjunktur haben und Falten im Gesicht Katastrophenstimmung auslösen, ist für Viele das Aschenkreuz eine Provokation.

"Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“. Das ist keine bequeme Botschaft. Aber: Das Aschenkreuz formt sich zum Kreuz. Durch das Zeichen des Kreuzes fühlen sich Christen mit Jesus verbunden, der den Weg der Liebe konsequent bis zum Ende gegangen ist. Seitdem ruft das Kreuz uns auf, den Weg Jesu zu gehen, mit ihm konsequent in der Liebe zu leben, auch wenn es Leid und Kreuz zur Folge hat.

So wird das Aschenkreuz Zeichen der Umkehr zum wahren Leben für uns und andere, Zeichen für ein Leben hin auf Ostern, dem Fest des Lebens. Am Aschermittwoch ist deshalb nicht einfach „alles vorbei“. Am Aschermittwoch beginnt vielmehr der Weg, der zum wahren Leben führt.

Am Aschermittwoch beginnt in unseren Kirchen zugleich auch in diesem Jahr wieder die Aktion „Beten am Fastenkreuz“.  Sie sind eingeladen, in den Anliegen der aufgehängten Gebetszettel vor dem Kreuz zu beten und gerne dürfen Sie selbst Gebetsanliegen auf einen Zettel schreiben und dazu hängen.

Wir laden Sie ein, den Beginn dieses Weges auf Ostern hin mit dem Gottesdienst und dem Empfang des Aschenkreuzes am Aschermittwoch zu beginnen. Natürlich sind auch die Erstkommunionkinder und alle Kinder unserer Gemeinden willkommen.

Die Fastenzeit

Die vorösterliche Fastenzeit – auch Bußzeit genannt – beschreibt die 40-tägige Vorbereitung auf Ostern, die seit  Ende des 4. Jahrhunderts bezeugt ist. Waren es zunächst v.a. die öffentlichen Sünder, die nach einer 40-tägigen Fast- und Bußzeit am Gründonnerstag wieder zum Empfang der Kommunion zugelassen wurden sowie die Katechumenen, die sich auf ihre Taufe in der Osternacht vorbereiteten, so sind es seit dem 5. Jahrhundert alle Gläubigen, die zu einer gewissenhaften Vorbereitungszeit auf das Osterfest aufgerufen sind.

Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und endet liturgisch mit der Abendmahlmesse am Gründonnerstag, wobei ihr die beiden Tage des Trauerfastens (Karfreitag und Karsamstag) faktisch noch zugeschlagen werden. Die Sonntage und Hochfeste  (Josephstag und Mariä Empfängnis) sind als `kleine Auferstehungstage´ vom Fasten ausgenommen, sodass man beim Nachzählen tatsächlich auf die Zahl 40 kommt.

Nach dem Vorbild des Fastens Jesu in der Wüste legte die Kirche die Länge der Fastenzeit auf 40 Tage und Nächte fest. Die Zahl 40 taucht schon im Alten Testament in der Bibel auf: 40 Tage dauerte die Sintflut, 40 Jahre zog das Volk Israel durch die Wüste, 40 Tage verbrachte Moses auf dem Berg Sinai in der Gegenwart Gottes bevor er die 10 Gebote erhielt, und eine Frist von 40 Tagen räumte der Prophet Jona der Stadt Ninive zur Umkehr ein, um den Untergang abzuwenden. Die Zahl 40 ist als Zahl der Läuterung und Umkehr in unser Kirchenjahr eingegangen.

Das Fasten

Die Anforderungen der katholischen Kirche an die Fastenpraxis sind detailliert in der Apostolischen Konstitution Paenitemini von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1966 geregelt. Neben der Beachtung besonderer Speisegebote (eine volle Mahlzeit und je zwei Stärkungen) werden auch andere Formen der Askese und Buße empfohlen: Die Gläubigen sind angehalten, das Gebet intensiver zu pflegen und vermehrt an Gottesdiensten und Andachten (etwa der Kreuzwegandacht) teilzunehmen. Ebenso sollen sie mehr Werke der Nächstenliebe verrichten und Almosen geben. Die Verpflichtung zum Fasten betrifft Erwachsene vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zum Beginn des 60. Lebensjahres.

Zudem gilt an allen Freitagen – nicht nur in der Fastenzeit - das Gebot der Abstinenz, wobei das Freitagsopfer seit dem 2. Vatikanischen Konzil nicht mehr auf den Verzicht auf Fleisch festgeschrieben ist, sondern verschiedene Formen annehmen und auch etwa darin bestehen kann, auf Dinge zu verzichten, die einem angenehm und lieb sind - etwa auf Schokolade, Alkohol, Rauchen, Fernsehen oder das Autofahren und das dadurch Eingesparte für Bedürftige aufzuwenden. In zahlreichen Gemeinden finden wird diese Idee im Brauch des Fastenessens verwirklicht, einem Solidaritätsessen zugunsten von Projekten in der Dritten Welt, bei dem ein einfacher Eintopf oder ein für das Projektland typisches Gericht verkauft oder gegen eine Spende gereicht wird.

Lediglich am Aschermittwoch und Karfreitag – den beiden strengen Fast- und Abstinenztagen – ist die Abstinenz von Fleisch (d.h einer fleischlosen vollen Mahlzeit und zwei kleinen Stärkungen) zum Gedenken an den Kreuzestod Jesu weiterhin vorgeschrieben. Zur Abstinenz sind alle Gläubigen ab 14 Jahre verpflichtet. Entschuldigt ist, wer durch Krankheit, auf Reisen, am fremden Tisch oder durch schwere körperliche Arbeit am Fasten oder an der Abstinenz gehindert ist.

Auch wenn heute die Zahl derer abnimmt, die sich streng an diesen Vorgaben orientieren, ist doch – auch unter profan denkenden Menschen - nahezu unumstritten, dass Zeiten der Enthaltsamkeit für Leib und Seele ihren regenerativen Nutzen haben. 

Die Fastensonntage

In Rechter Ordnung Lerne Jesu Passion …
Mit diesem Merksatz versuchten sich Generationen von Schülern die Namen der sechs Fastensonntage zwischen Aschermittwoch und Ostern einzuprägen: Invocábit, Reminíscere, Óculi, Laetáre, Júdica, Palmárum. Sie leiten sich her von den Anfangsworten der Eröffnungsverse der heiligen Messe an den ersten fünf Sonntagen bzw. dem Palmsonntag.

Der Erste Fastensonntag gibt hierbei gewissermaßen den Ton an, der sich durch die gesamte Fastenzeit trägt:  “Invocábit me, et ego exáudiam eum – Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not, befreie ihn und bringe ihn zu Ehren.” So spricht Gott in Psalm 91, 15 zum Beter, der in seiner Not zu ihm ruft. Auch im Evangelium kommt der Psalm vor – und zwar im Munde des Versuchers, der Jesus auffordert, sich von der Tempelzinne herabzustürzen: “... denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Wir finden hier die stille Aufforderung, als Christen umso kräftiger und andächtiger zu beten und zu singen: “Wer unterm Schutz des Höchsten steht / im Schatten des Allmächtigen geht ...“ und den Versuchungen unseres Alltags zu widerstehen.

Eine besondere Stellung nimmt der 4. Fastensonntag ein:  Der Aufruf zur Freude (Lätare = freue dich!) hebt diesen Sonntag aus der Reihe der "Sonntage in den Fasten" hervor, er wurde darum auch "Klein-Ostern" genannt. Als Zeichen der österlichen Vorfreude wird das violette Messgewand zum Rosa aufgehellt, durch das das österliche Weiß hindurch scheint.


Bericht: Dr. Robert Koczy

 

  
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