Versprechen als Dank für die Verschonung der Stadt im 2. Weltkrieg
In Zeiten existentieller Not und größter Bedrohung suchen Menschen Zuflucht bei Personen und Ritualen, die ihnen Sicherheit und Orientierung verleihen. 1944 und 1945 war die Stadt Tauberbischofsheim mehrmals in größter Gefahr — und die Beispiele Würzburg und Königshofen zeigen, wie verheerend der 2. Weltkrieg nicht nur Hab und Gut, sondern vor allem alles Leben bedrohte und vernichtete. Wie viele Städte und Ortschaften war auch Tauberbischofsheim nicht nur von alliierten Bombenangriffen während der letzten Phase des Krieges bedroht, sondern vor allem auch vom fanatischen Festhalten der SS an Durchhalteparolen und dem lrrglauben an den ,,Endsieg". Es waren einzelne Bürger der Stadt, die hier — so die archivalische Überlieferung — mutig Gegeninitiative ergriffen und zum Boykott bzw. zur Kapitulation aufriefen.
In Zeiten existentieller Not und größter Bedrohung suchen Menschen Zuflucht bei Personen und Ritualen, die ihnen Sicherheit und Orientierung verleihen. 1944 und 1945 war die Stadt Tauberbischofsheim mehrmals in größter Gefahr — und die Beispiele Würzburg und Königshofen zeigen, wie verheerend der 2. Weltkrieg nicht nur Hab und Gut, sondern vor allem alles Leben bedrohte und vernichtete. Wie viele Städte und Ortschaften war auch Tauberbischofsheim nicht nur von alliierten Bombenangriffen während der letzten Phase des Krieges bedroht, sondern vor allem auch vom fanatischen Festhalten der SS an Durchhalteparolen und dem lrrglauben an den ,,Endsieg". Es waren einzelne Bürger der Stadt, die hier — so die archivalische Überlieferung — mutig Gegeninitiative ergriffen und zum Boykott bzw. zur Kapitulation aufriefen.
„Ein paar Tage vor dem Einzug der Amerikaner wurden die Reliquien [der heiligen Lioba] in unseren Keller [im Klösterle] verbracht, der in den schlimmsten Stunden des Einmarsches von Männern und Frauen überfüllt war. Mehr wie bestürmt wurde in diesen Stunden die hl. Lioba.“
so Sr. Alberta in einem Bericht vom 8. Februar 1947 über die letzten Kriegstage in Tauberbischofsheim
Und es war die große Sehnsucht nach Frieden, die mit der hl. Lioba in Verbindung gebracht wurde, die sich zu Lebzeiten wiederholt als Friedensstifterin erwiesen hat - und der die Verschonung der Stadt vor der Zerstörung zugesprochen wurde.
Für den 23. September 1945 ist im Verkündbuch der Stadtkirche vermerkt:
,,Am Freitag, den 28. September 1945 ist der Tag der hl. Lioba. Wie Herr Stadtpfarrer Weick heute von der Kanzel verkündete, soll dieser Tag künftig für alle Zeiten als örtlicher Feiertag begangen werden. Die Stadt Tauberbischofsheim will damit ihrer Patronin den Dank für den von ihr im Kriege gewährten Beistand beim Fliegerangriff am 21. Juli 1944 und beim Gefecht in Tauberbischofsheim am Karsamstag, den 31. März 1945 zum Ausdruck bringen.”
lm Februar 1947 schreibt Schwester Alberta rückblickend auf das Versprechen, „den 28. September für ewige Zeiten als Festtag zu begehen.”
,,Das sollte nun zum ersten Mal Wirklichkeit werden! Welch innere Bewegung ging durch die Bevölkerung! Da die Kanzel eigentlich das einzige Nachrichtenorgan war, war man gespannt, wie sich diese Verkündigung auf die Praxis auswirken würde. Aber welche Wirkung! Alle Geschäfte waren geschlossen, auch die meisten Behörden. Die Militärregierung rief beim Pfarramt an wegen der Bewandtnis dieses Feiertages. Als sie hörte, dass es sich um die Ausführung eines Gelöbnisses handle, ging alles in Ordnung.”
Seit Kriegsende im Jahr 1945 wird in der Stadt Tauberbischofsheim der Gedenktag der heiligen Lioba als Festtag und Stadtfeiertag begangen. Der Charakter des Tages ist dabei von unterschiedlichen Dimensionen geprägt:
- Das Liobafest als Fest der Erinnerung an die heilige Lioba, die im 8. Jahrhundert im Gefolge des heiligen Bonifatius aus England nach Deutschland kam, um hier in Tauberbischofsheim ein bedeutendes Frauenkloster zu leiten; Lioba ist eine der bedeutendsten, hochgebildeten Frauenpersönlichkeiten des Mittelalters.
- Das Liobafest und seine politische Dimension: als Friedensfest in Erinnerung an das Jahr 1945 und die Verschonung der Stadt vor Kriegszerstörung.
- Das Liobafest als Fest der Begegnung, insbesondere von Familien mit ihren Kindern und als Fest des kulturellen Erlebens.
Das Liobafest ist ein Fest der emotionalen Erinnerung - deshalb lebt es auch von Zeichen, die Leib und Geist ansprechen, Himmel und Erde verbinden:














