Tröstende Gedanken

 
Vom kostbaren Leben ...

Wir haben Leid und Krankheit erlebt, 
wir haben Freunde durch den Tod verloren,
und der Tod hat nicht nur von außen ans Fenster geklopft,
er hat auch in uns innen Arbeit getan und Fortschritte gemacht.

Das Leben, das einst so selbstverständlich war,
ist zu einem kostbaren, immer bedrohten Gut geworden,
der selbstverständliche Besitz hat sich in eine Leihgabe
von ungewisser Beständigkeit verwandelt.
Aber die Leihgabe mit unbestimmter Kündigungsfrist
hat ihren Wert keineswegs verloren, 
die Gefährdung hat ihn eher noch erhöht.

Wir lieben das Leben nach wie vor und wollen ihm treu bleiben,
unter andrem um der Liebe und Freundschaft willen,
die wie ein Wein von guter Herkunft mit den Jahren
an Gehalt und Wert nicht abnimmt, sondern wächst.

(Hermann Hesse)
 
 
Von guten Mächten wunderbar geborgen …

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar, 
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr;
noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil,
für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den Bittern,
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann woll’n wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so dass uns hören jenen vollen Klang der Welt,
die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag,
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen -
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

(Dietrich Bonhoeffer) 
 
 
 
Möge der Wind dich liebkosen

Möge der Regen die Tränen 
von deinem Gesicht waschen, 
die du in verzweifelten Stunden weinst. 
Möge der Wind dich liebkosen, 
wenn du traurig bist, 
möge die Sonne dich umschmeicheln, 
wenn es dir schlecht geht. 

Mögest du wahre Freunde haben, 
wenn dein Schmerz dir wie 
ein wildes Tier das Herz zerreißt
und die Verzweiflung alle Grenzen sprengt. 

(Irisches Segenswort) 
 
Licht ins Herz 

Auch das ist Kunst, ist Gottes Gabe, 
aus ein paar sonnenhellen Tagen
sich so viel Licht ins Herz zu tragen, 
dass, wenn der Sommer längst verweht, 
das Leuchten immer noch besteht. 

(Johann Wolfgang von Goethe) 
 
 
Die tiefe Verwurzelung in dem Boden der Vergangenheit
macht das Leben schwerer,
aber auch reicher und kraftvoller.
(Dietrich Bonhoeffer)


 
Der Herr behütet Dich 

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen:
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

Er lässt deinen Fuß nicht wanken,
er, der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels schläft
und schlummert nicht.

Der Herr behütet dich;
der Herr gibt dir Schatten, 
er steht dir zur Seite. 
Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden 
noch der Mond in der Nacht. 

Der Herr behüte dich vor allem Bösen,
er behüte deine Seele.
Der Herr behütet dich,
wenn du fortgehst und wiederkommst, 
von nun an bis in Ewigkeit.

(Psalm 121)
 
Der rechte Weg ...

In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht.
Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe.
Ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden.
In mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld.
Ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.

(Dietrich Bonhoeffer)