Orgel plus Trompete

Der Monat November hat viele bedeutende Tage.

 
Die zwei ersten aber bestimmen den ganzen Monat. Die Gedenktage von Allerheiligen und Allerseelen richten den Blick und die Gedanken gläubiger Christen auf die Ewigkeit. Auf das Leben jenseits des Todes. Mit dem was „danach“ kommt, beschäftigte sich auch die jüngste Veranstaltung der „Musikkirche Tauberbischofsheim“. Axel Flierl (Orgel) und Alexander Kirn (Trompete) spielten ein Doppelkonzert in der Martinskirche unter dem Motto „Zeit und Ewigkeit“.
„Was in der Zeit geschieht, hat Auswirkungen auf die Ewigkeit“, erklärte Pfarrer Thomas Holler. In seinem geistlichen Impuls wies er zu Beginn auf die transzendierende Macht der Musik hin. „Musik hebt über das alltägliche Leben hinweg und spricht tiefere Schichten des Menschen an“, betonte er und zeigte sich davon überzeugt, dass die Musik den atmosphärischen Raum der Ewigkeit anklingen lässt.
Klassische Festmusik eröffnete das Konzert. Heiter-strahlende Trompetenklänge trafen auf den prachtvollen Klang der Winterhalter-Orgel bei Telemanns „Konzertsonate D-Dur“. Axel Flierl (Orgel) und Alexander Kirn (Trompete) harmonierten prächtig. Man spürte sofort, dass die beiden schön öfters miteinander musiziert haben und Meister ihres Faches sind.
Alessandro Marcellos „Concerto d-Moll“ erwies sich als ein barockes Konzert par excellence. Dem eingängigen Hauptthema im Unisono mit virtuosen Passagen der Solo-Trompete folgten ein getragener langsamer Satz und ein schwungvoller Finalsatz. Die hohen technischen Anforderungen an den Solisten, insbesondere hinsichtlich der Atemtechnik, meisterte Kirn bravourös
Das klug choreographierte Konzertprogramm wechselte zwischen Darbietungen im Duett und Solovorträgen an der Orgel. Axel Flierl widmete sich dabei vor allem dem Meister barocker Orgelwerke: Johann Sebastian Bach. Die überzeitliche Komponente spielte bei allen Beiträgen eine wichtige Rolle. So reflektierte die „Fuge h-Moll“ (BWV 579) ein Thema des Komponisten Arcangelo Corelli und verband dabei italienische Lebensfreude mit den strengen Regeln der deutschen Orgelmusik.
Die „Fantasie und Fuga a-Moll“ (BWV 561) mit ihren  schnellen Arpeggien und Läufen bot Flierl die Gelegenheit, Fingerfertigkeit zu demonstrieren. Das muntere Fugenthema verriet ebenfalls italienischen Einfluss. Franz Liszts „Einleitung und Fuge C-Dur“ aus Bachs Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ (BWV 21) war ein Paradebeispiel für die Auseinandersetzung des romantischen Komponisten mit historischer Musik.
Am Ende eines außergewöhnlichen Konzerterlebnisses vereinigten sich Orgel und Trompete wieder bei Johann Sebastian Bachs „Concerto D-Dur“ (BWV 972) nach Antonio Vivaldi. Die prunkvolle Virtuosität des italienischen Stils kam hier einmal mehr voll zur Geltung.
Das aufgrund der vorzüglichen Darbietungen der beiden Protagnisten begeisterte Publikum erwirkte eine Zugabe. Enrico Pasinis „Cantabile For You“ vereinte die warme Klangfarbe der Trompete mit dem feierlich getragenen Orgelklang zu einem atmosphärisch dichten Klang-Kunstwerk.
Ulrich Feuerstein