„Evensong“ in der Martinskirche
14.03.2025 |
Offene Ohren und ein offenes Herz: Sie waren gefragt beim „Evensong“ in der Martinskirche. Bei dem aus der anglikanischen Kirche stammenden musikalischen Abendlob sang der Kirchenchor unter der Leitung von Ulrike Lauer.
Thomas Drescher begleitete an der Orgel. Pfarrer Thomas Holler stand der Liturgie vor. Ein Evensong ist ein abendliches Stundengebet in gesungener Form, das seinen Ursprung in der anglikanischen Kirche hat. Die Liturgie verbindet das Abend- und Nachtgebet, welche als Vesper und Komplet bekannt sind. Daraus erklingen die beiden charakteristischen Lobgesänge aus dem Neuen Testament: das Magnificat (Lobgesang Mariens) und das Nunc Dimittis (Lied des greisen Simeon). Ein weiteres wichtiges Element ist der Gesang von Psalmen in Form von mehrstimmigen Vertonungen für Chor und einstimmigen Gesängen für die Gemeinde. Eine Lesung, Fürbitten und Momente der Stille gehören ebenfalls dazu.
Einen Evensong mitzufeiern heißt in erster Linie: Hören. Die Musik und die Worte wirken lassen. Zulassen, von ihnen getragen zu werden. Mancherorts besteht die Gemeindebeteiligung darüber hinaus lediglich aus einem gemeinsam gesprochenen Credo und einem Segensvers am Ende. Woanders kommt das eine oder andere gemeinsam gesungene Lied hinzu. Aber in erster Linie gilt: Wer kommt, um mitzufeiern, muss einfach nur da sein. Es wird nicht mehr erwartet als offene Ohren – und nicht weniger gewünscht als ein offenes Herz für das, was Musik und Worte an Botschaft tragen. Die Sänger im Chor erfahren sich dabei auf einmal nicht „nur“ als Musiker, sondern als diejenigen, auf die es ankommt, die ihr Bestes geben, damit den Mitfeiernden das Beste gegeben werde – Gottesbegegnung.
Das galt auch für den Evensong am Sonntagabend in der Martinskirche. „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes“, betonte Dekan Thomas Holler in seinem geistlichen Impuls. Er erinnerte an den Apostel Paulus, der in dieser unerschütterlichen Gewissheit Leiden auf sich genommen hat. Holler zeigte sich davon überzeugt, dass in unserer Gegenwart Gotteshäuser wie die Martinskirche Erfahrungsräume für die Nähe und Liebe Gottes bieten können. „Sie bietet einen geschützten Raum für alle, die von Sorgen und Nöten belastet sind“.
Thomas Drescher an der Orgel
Holler sprach auch von „himmlischen Klängen“, die das Vertrauen zu Gott wachsen lassen. Das Abendlob war ein sehr gutes Beispiel dafür. Der Martinschor unter der Leitung von Ulrike Lauer sang den Hymnus „Bleib bei uns Herr“ und in der englischen Version „Stay with me tonight“ von Martin Heider. Tiefes Gottvertrauen und Zuversicht auf den Beistand Gottes sprachen auch aus „Tief im Schoß meiner Mutter“ Thomas Tallis‘ frühneuzeitlicher Komposition „Glory to thee, my God, this night. An der Orgel begleitete einfühlsam Thomas Drescher, bis 1991 als Bezirkskantor in Tauberbischofsheim tätig und danach am Institut für Kirchenmusik des Bistums Mainz. Mit Louis Viernes „Prélude“ hatte er das Abendlob eröffnet. Marco Enrico Bossis „Chant du Soir“ glich einer lyrischen Skizze. Sie imaginierte das Bild einer kleinen Landkirche mit ihrem Glockenturm in der Abenddämmerung.
Im Zentrum des Evensongs stand das „Magnificat“. Es handelt von Maria und dem einzigartigen Weg, den Gott zur Erfüllung seiner Verheißung wählt. Samuel Scheidts barocke Variante im neunten Ton sangen abwechselnd Christian Drescher und Markus Rombach, Thomas Drescher steuerte mehrstimmige Orgelsätze bei.
Im Zentrum des Evensongs stand das „Magnificat“. Es handelt von Maria und dem einzigartigen Weg, den Gott zur Erfüllung seiner Verheißung wählt. Samuel Scheidts barocke Variante im neunten Ton sangen abwechselnd Christian Drescher und Markus Rombach, Thomas Drescher steuerte mehrstimmige Orgelsätze bei.
Mit dem Segen von Dekan Holler, dem Segenslied „The Lord bless you and keep you“ und Sigfrid Karg-Elerts Orgelkomposition „Saluto Angelico“ endete das zu Herzen gehende Abendlob in der Martinskirche.
Nächster theologisch-musikalischer Höhepunkt ist ein Konzert an Karfreitag im Rahmen der „Musikkirche Tauberbischofsheim“. Das „EnsembleVokal“ singt um 18 Uhr in der Liobakirche unter anderem Werke von Antonio Lotti, Johann Michael Bach und Karl Jenkins.
Feu/Bilder: Feuerstein



















