Anbetung - ein großes Lob- und Dankgebet
12.05.2024 |
Leitgedanken
Du bist heilig, Herr, unser Gott.
von Pater Kasimir
Nach christlichem Verständnis darf nur Gott angebetet werden, kein Mensch. Von daher gibt es in der katholischen Kirche einen grundsätzlichen Unterschied zwischen dem Gebet zu den Heiligen und der Anbetung Gottes: Die Heiligen können wir zwar für ihr vorbildliches Leben bewundern und um ihre Fürsprache bitten, so ähnlich, wie wir auch sonst Menschen um Hilfe und Unterstützung bitten. Doch anbeten können wir allein Gott. Denn Anbetung bedeutet, Gott als Schöpfer und Herrn der Welt anzuerkennen, ihn als Erlöser zu verehren und sich von der Kraft seines Geistes beseelen zu lassen.
Eine besondere Form der Anbetung Gottes ist die eucharistische Anbetung. Da verehren wir Jesus Christus in der Gestalt des Brotes und verweilen in Stille und Gebet vor ihm. An Fronleichnam tragen wir ihn in der Monstranz durch die Straßen unserer Städte und Dörfer. Damit bringen wir zum Ausdruck, dass der allmächtige Gott in seinem Sohn mitten unter uns lebt und dass wir uns seiner Gegenwart und seiner unendlichen Liebe sicher sein dürfen. Eucharistische Anbetung bedeutet:
- Dass wir uns als Geschöpfe Gottes bewusst in die Gegenwart unseres Schöpfers stellen.
- Dass wir seinen Ruf, zu ihm zu kommen und bei ihm zu verweilen, annehmen.
- Dass wir vor ihm still werden und innerlich zur Ruhe kommen.
- Dass wir eine geistige Verbundenheit mit ihm pflegen und immer mehr vertiefen.
- Dass wir ihm alles sagen, was uns beschäftigt und bewegt.
- Dass wir ihm unsere Bitten und Anliegen anvertrauen.
- Dass wir uns die Zeichen seiner Nähe und Liebe vor Augen führen
- Dass wir ihm unsere Dankbarkeit zeigen für alles Gute, das er uns geschenkt hat.
Die Anbetung ist letztlich ein großes Lob- und Dankgebet für die Güte Gottes. Sehr schön kommt das in einem Gebet des hl. Franziskus zum Ausdruck. Da heißt es:
Du bist heilig, Herr, unser Gott.
Du bist der alleinige Gott, der Eine, der Wundertaten vollbringt.
Du bist der Starke,
Du bist der Große,
Du bist der Höchste,
Du bist allmächtig,
Du bist heilig, der Vater und König des Himmels und der Erde.
Du bist der Dreifaltige und der Eine, Gott der Herr.
Die Anbetung mündet in die Bitte um Gottes Segen. So betet der Priester vor dem Segen mit der Monstranz: „Gib uns die Gnade, die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren, dass uns die Frucht der Erlösung zuteilwird“. (GL 592,4; weitere Gebete: GL 674,2 und 682,1). Von daher bedeutet Anbetung schließlich auch, sich in die Kraft Gottes zu stellen und sich von ihm innerlich aufrichten zu lassen. Das heißt: Auch wenn wir bei der Anbetung knien, ist das keine Erniedrigung, sondern eher eine Erhöhung des Menschen. In diesem Sinne hat der Konzilspapst Johannes XXIII. einmal gesagt: „Der Mensch ist nie so groß, als wenn er kniet.“ Und der afrikanische Kardinal Robert Sarah hat über die verwandelnde Kraft der Anbetung gesagt: „Ein Mensch auf den Knien ist mächtiger als die Welt“.
Wie dem auch sei! Es lohnt sich, die Anbetung wiederzuentdecken, sei es bei eigenen Gebetszeiten oder in Verbindung mit bestimmten Eucharistiefeiern in unserer Seelsorgeeinheit (montags und dienstags nach der Morgenmesse in St .Martin; freitags vor der Abendmesse in Distelhausen und nach der Abendmesse in St. Bonifatius).
Herzliche Grüße
Ihr Pater Kasimir, Koop.



















