Karwoche und Ostern

Die Heilige Woche


Die Karwoche mit dem folgenden Osterfest ist der Höhepunkt im christlichen Kirchenjahr. Das Wort "Kar" entstammt dem Althochdeutschen und bedeutet "Kummer, Klage, Trauer". Voller Hochachtung gegenüber dem, was wir in der Karwoche feiern, wird vielfach auch von der Heiligen Woche gesprochen.

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Beginn des Palmsonntagsgottesdienstes am Marktplatz in Tauberbischofsheim

 

Sie beginnt mit dem Einzug in Jerusalem (am Palmsonntag), umfasst die stillen Tage Montag bis Mittwoch und die eigentlichen Kartage dem letzten Abendmahl (am Gründonnerstag), der Kreuzigung (am Karfreitag) und der Auferstehung (in der Osternacht).

Herzliche Einladung ergeht zur Mitfeier der Gottesdienste. In dem Maße, wie wir uns innerlich auf das Geschehen des Gründonnerstags und des Karfreitags einlassen, werden wir auch entsprechend freudig das österliche Halleluja singen können.

 

Hier ein kurzer Abriss über die Tage im einzelnen:


Palmsonntag - Die Feier des Einzugs Jesu in Jerusalem

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Auf einem Esel kommt Jesus in Jerusalem an. Viele Menschen jubeln ihm zu und rufen „Hosianna!“. Doch ein paar Tage später hören wir andere Rufe: „Ans Kreuz mit ihm!" 

Der Palmsonntag hat seinen Namen von den Palmzweigen, mit denen Jesus auf seinem Weg in die Stadt Jerusalem von den Menschen willkommen geheißen wurde. Die Palm- und Ölbaumzweige galten als Siegeszeichen, als Symbolik für den Sieg des Lebens über den Tod.
Zu Beginn des Palmsonntagsgottesdienstes wird das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem vorgelesen, dann ziehen alle mit grünen Zweigen, die zuvor gesegnet werden, in die Kirche. Die Kinder tragen zum Einzug ihre bunt geschmückten Palmstecken. Hosianna wird dazu gesungen, Hosianna, wir grüßen unseren König!
 
Doch dann wandelt sich die Stimmung, die Leidensgeschichte wird vorgetragen, an den Leidensweg Jesu in Jerusalem, angefangen von der Gefangennahme Jesu bis zu seinem Tod am Kreuz wird erinnert.

Wir sind eingeladen, den Leidensweg Jesu zu betrachten und betend mitzugehen: durch Leid und Tod hindurch zur Auferstehung. Mit den Palmzweigen werden die Kreuze zu Hause geschmückt, dieser Brauch weist uns heute schon auf Jesu Ostersieg und das neue Leben hin.


Die Karwoche

Chrisamöl
Am Montag in der Karwoche findet traditionell die Weihe der heiligen Öle im Freiburger Münster für die ganze Diözese statt. Unterschieden werden „oleum infirmorum“ (Krankenöl für die Krankensalbung), „sanctum chrisma“ (Chrisam für Taufe, Firmung, Priester- und Bischofsweise sowie Kirch-, Altar- und Glockenweihe) und „oleum catechumenorum“ (Katechumenenöl). 

Aus Trauer um das Leiden und Sterben Jesu Christi schweigen der Tradition nach in allen katholischen Kirchen vom Gloria des Gründonnerstags bis zum Gloria in der Osternacht die Glocken. Anstatt dessen werden vielerorts Schlagbretter, Ratschen, Klappern und ähnliche Holzwerkzeuge genutzt.

In dieser Zeit wird auch die Orgel- bzw. Instrumentalmusik reduziert (z.B. kein Nachspiel), an Karfreitag schweigt in der Regel die Orgel ganz.



Gründonnerstag - Messe vom letzten Abendmahl

Der Name des Tages geht seit ca. 1200 auf das alte Wort „Grunen“ oder „Greinen“ zurück, an dem die Büßenden seit Aschermittwoch wieder in die Gemeinschaft aufgenommen wurden. Der Gründonnerstag ist wegen des nahen Todes Jesu ein Tag der Trauer.

Einmalig ist am Gründonnerstag der Ritus der Fußwaschung, die nach dem Evangelium eingeschoben werden soll. Wenn der Priester seinen Gemeindemitgliedern die Füße wäscht, dann folgt er damit dem Beispiel Jesu, der es als Zeichen der zärtlichen und hingebungsvollen Liebe und des Dienens an den Menschen begonnen hat: Der Hirte ist der Diener für die Anvertrauten!

Am Gründonnerstag feiern wir die "Messe vom letzten Abendmahl" (Gotteslob Nr. 304) und vergegenwärtigen uns dabei des Paschamahles, das Jesus am letzten Abend vor seinem Tod gemeinsam mit seinen Jüngern in Jerusalem feierte. Gemäß dem biblischen Zeugnis verbrachte Jesus seine letzten Stunden im engsten Freundeskreis: Zunächst im Abendmahlssaal und anschließend – wachend und betend - im Garten von Gethsemane am Ölberg, wo auch die Verhaftung stattfand. Aus diesem Grund werden vielerorts im Anschluss an die Mahlfeier Betstunden abgehalten, die mancherorts über die ganze Nacht gehen.

Im Rahmen des Mahles spricht Jesus von seinem bevorstehenden gewaltsamen Sterben und deutet dies als Zeichen für seine liebevollen Hingabe, der er mit dem Brechen des Brotes ein Bild gibt.: „Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ (Lk 22, 19).

Zugleich deutet er den Segensspruch über den letzten Becher Wein des Paschamahles, der traditionell dem von den Juden erwarteten Messias gewidmet ist, auf sich selbst um: „Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ (Mt 26, 28).

Mit dem Zusatz: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Mt 22, 19b) setzt er schließlich den Auftrag, immer wieder in ähnlicher Weise Mahl zu halten und damit sein Gedächtnis zu feiern.

Wir erinnern uns nicht nur am Gründonnerstag, sondern in jeder Messe an dieses Mahl und diesen Auftrag und glauben an Jesu bleibende Liebe und Gegenwart.

Ölberggruppe am Turm der Stadtkirche St. Martin in Tauberbischofsheim



Karfreitag - Die Feier vom Leiden und Sterben Christi

Das Leiden und der Tod Jesu stehen im Zentrum des Karfreitags (Kummer-Freitag). Zur Todesstunde Jesu kommt nachmittags um drei Uhr die Gemeinde zum Gottesdienst zusammen.

Die Karfreitagsliturgie (Gotteslob 308) besteht aus drei Teilen:

1. Zunächst hören wir im Wortgottesdienst die biblischen Texte, die uns das Leiden und Sterben Jesu vor Augen führen. Im Zentrum steht die Passionsgeschichte aus dem Johannesevangelium (Joh 18,1 – 19,42).  Der Wortgottesdienst endet mit den Großen Fürbitten.

2. Anschließend wird das Kreuz verehrt. Hörend, bittend und verehrend bedenken wir das Geheimnis, das uns im Ruf vor dem Evangelium verkündet wird: "Christus war für uns gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm einen Namen verliehen, der größer ist als alle Namen." (Phil 2,8b-9).

3. Der Kreuzverehrung folgt in der Regel eine schlichte Kommunionfeier ohne Eucharistie.

Der Karfreitag ist dem Anlass entsprechend ein strenger Fast- und Abstinenztag. 


Karsamstag – Der Tag der Grabesruhe

Der Karsamstag ist ein stiller Tag ohne Liturgische Feier. Die Zeit scheint still zu stehen, die Welt scheint den Atem anzuhalten. – Es geschieht nichts.

Erst am Abend bzw. zum Sonnenaufgang des Ostersonntags findet die Osterfeier statt. Wie alle „Vorabendgottesdienste“ zählt dies jedoch schon zum Ostersonntag. 





 

Ostern – Das Hochfest der Auferstehung des Herrn


Ostern (altgermanisch: `Morgenröte´) ist ein Fest des Jubels und der Freude: Der Tod ist überwunden - das Leben hat gesiegt! Die Überwindung des Todes durch die Auferstehung Jesu ist die Kernbotschaft des Christentums. Sie wird in der Osternacht, sowie den beiden Eucharistiefeiern am Morgen des Ostersonntags und am Ostermontag entfaltet.

Die Feier der Osternacht

Auch wenn die Osternacht mitunter aus praktischen Gründen vor Mitternacht gefeiert wird, gehört sie doch zum Ostersonntag. Vielerorts sind es jedoch die frühen Morgenstunden in denen die Auferstehungsfeier stattfindet: Wie mit dem Sonnenaufgang der Tag die Nacht überwindet, so ist mit der Auferstehung Jesu der Tod überwunden.

Die Osternachtfeier hat vier Teile:

1. Bei der Lichtfeier versammelt sich die Gemeinde um das Osterfeuer, das vor der Kirche entzündet ist. An ihm wird die Osterkerze entzündet und feierlich in die dunkle Kirche getragen.  Das Licht, das der Herr selbst ist, wird mit dem dreimaligen „Lumen Christi“ (Christus, das Licht) in die Kirche getragen und im feierlichen Lobpreis (Exultet) gelobt und gepriesen.

2. In insgesamt sieben alttestamentlichen Lesungen wird im Wortgottesdienst der Großtaten Gottes gedacht, mit denen er seine Treue den Menschen gegenüber immer wieder – trotz deren Abkehr - unter Beweis stellte. Sie münden, eingeleitet durch die Epistel (Apostelbrief), ins Osterevangelium: der Bericht von Jesu Auferstehung, Gottes letztem und endgültigem Beweis seiner Liebe zu den Menschen. Dieses wird im dreimalig steigenden „Alleluja“ angekündigt, wodurch sich der musikalische Bogen in Bezug auf Jesus von Karfreitag („Ecce lignum“) bis Ostern schließt („Lumen Christi“/ „Alleluja“) schließt.

3. Die Osternacht war traditionell der Ort, an dem in der Urkirche die Katechumenen durch die Taufe in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen wurden. Bis heute ist die Taufeier ein wichtiges Element der Osternachtsliturgie; wenn möglich, wird eine Taufe gespendet. Das Taufwasser wird mit der Osterkerze geweiht, die gesamte Gemeinde mit diesem Wasser besprengt, wobei sie (gemeinsam mit dem Täufling) feierlich ihr Taufversprechen erneuert.

4. In der Eucharistiefeier lädt der auferstandene Herr die Neugetauften und die ganze Gemeinde zu seinem Gastmahl ein: Alle, die er durch seinen Tod und seine Auferstehung erlöst hat.

Das Licht, das die Dunkelheit der Welt erleuchtet, das Wort Gottes, das alles Leben schafft, das Wasser der Taufe, aus dem wir wiedergeboren sind und die Eucharistie, in der wir Anteil haben am auferstandenen und erhöhten Herrn – dies sind die Teile der Liturgie der Osternacht (Gotteslob 312). Sie machen uns begreiflich: „Wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft. Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.“ (Röm 6,3-4)

Die Vesper am Abend des Ostersonntags nimmt in den Psalmen nochmals die Freude über die Erlösung der Menschen durch die Treue- und Liebestat Jesu auf.

Mit dem Ostersonntag beginnt der Osterfestkreis, der nach 50 Tagen mit dem Pfingstfest endet.


Ostermontag

Emausszene in der Kirche Hochhausen

Im germanischen Sprachraum hat sich die Tradition erhalten, die hohen kirchlichen Feste mit einem zusätzlichen zweiten Feiertag zu entfalten.

Auch die Liturgie am Ostermontag ist geprägt vom Jubel und der Freude über die Auferstehung; sie folgt dem „normalen“ Ablauf einer Eucharistiefeier.

Die am Ostermontag gelesene Emausgeschichte (Lk 24, 35-48) eröffnet einen neuen Horizont der Gegenwart Christ über den Tod hinaus: Nicht nur der Engel am leeren Grab gibt Kunde von Jesu Auferstehung, sondern Jesus selbst ist es. Er lässt sich sehen, geht mit seinen Jüngern ein Stück Weg, deutet ihnen in ihrer Unsicherheit die Schrift und nimmt im abermaligen Brotbrechen die Gemeinschaft wieder auf. Er hält sein Versprechen: „Ich bin bei Euch alle Tage, bis ans Ende der Welt“  (Mt 28,20).

 

Dr. Robert Koczy

 
  

Dekan Thomas Holler

Leiter der Seelsorgeeinheit

Dr. Robert Koczy

Pastoralreferent mit Dekanatsauftrag

Günter Stauß

Klinik- und Heimseelsorger