Advent
Im Advent bereitet sich die Christenheit traditionell auf das Fest der Geburt Jesu von Nazareth, auf Weihnachten, vor. Ein weiterer Aspekt der in den Texten des Advents zum Ausdruck kommt, ist die Erwartung Christi am Ende der Zeiten. Die Adventszeit in der heutigen Form geht zurück auf das 7. Jahrhundert. Man bezeichnete sie als Tempus ante natale Domini („Zeit vor der Geburt des Herrn“) oder tempus adventūs Domini („Zeit der Ankunft des Herrn“). Mit dem ersten Adventssonntag beginnt das neue Kirchenjahr.
Die Christen der ersten Jahrhunderte feierten den Advent ursprünglich als Fastenzeit in den Tagen zwischen dem 11. November und dem ursprünglichen Weihnachtstermin, dem Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar. Nachdem sich in der Westkirche immer mehr der 25. Dezember als Weihnachttermin durchsetzte, legte Gregor der Große im 6.Jhd. die Zahl der Adventssonntage auf vier fest. Seit 1917 wird das Adventsfasten vom katholischen Kirchenrecht nicht mehr verlangt.
Es gibt vielerlei Anregungen die Adventszeit auszugestalten: Der Besuch der Frühschichten in den Gemeinden unserer Seelsorgeeinheit, das Aufgreifen des ökumenischen Hausgebetes oder das persönliche Verweilen vor dem Adventskranz.
Für zahlreiche Christen gehört auch der Empfang des Bußsakramentes oder der Besuch des Bußgottesdienstes zur persönlichen Vorbereitung auf das Geburtsfest Jesu. "Bereitet dem Herrn den Weg" ist die Überschrift, die Jahr für Jahr über den Adventswochen steht.
Brauchtum im Advent
Im Laufe der Entwicklung des Christentums haben sich eine Vielzahl von Bräuchen in dieser zentralen Zeit des Kirchenjahres entwickelt, von denen einige hier genannt werden sollen:
Adventskranz
Der Adventskranz symolisiert mit seinen vier Kerzen das Licht, das mit Christus in die Welt gekommen ist. Bereits 1839 ließ der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern (1808–1881) im Betsaal des „Rauhen Hauses“ in Hamburg einen ersten hölzernen Leuchter mit 23 Kerzen aufhängen – 19 kleine rote Kerzen für die Werktage bis Weihnachten, vier dicke weiße Kerzen für die Sonntage.
Ursprünglich im evangelischen Bereich beheimatet hat der Adventskranz sehr bald auch in die katholische Kirche Eingang gefunden. Mitunter findet man auch Adventskränze mit Kerzen in den traditionellen liturgischen Farben der Adventssonntage: drei violette Kerzen für den ersten, zweiten und vierten Adventssonntag, sowie eine rosa Kerze für den dritten Adventssonntag (Gaudete).
Adventskalender
Auf der Basis verschiedener im 19. Jahrhundert entstandener Bräuche des Abzählens der Tage bis zum Weihnachtsfest, vor allem im evangelischen Bereich, entwickelten sich zunächst in Deutschland seit Beginn des 20. Jahrhunderts, insbesondere für Kinder, Adventskalender verschiedenster Gestalt, seit 1920 mit zu öffnenden Türen. Der klassische Adventskalender hat heute 24 Türen, von denen vom 1. bis zum 24. Dezember jeweils eine geöffnet wird.
Rorate-Messen
Mit Rorate werden im Kirchenjahr frühmorgendliche Heilige Messen im Schein von Kerzenlicht bezeichnet. Von seinem Ursprung her ist der "Rorate-Gottesdienst" eine Messe, die zu Ehren der Gottesmutter Maria gefeiert wird.
Jede Messfeier kann mit einem Eröffnungsvers eingeleitet werden. Die Messe zu Ehren Marias im Advent, aber auch die Messe vom vierten Adventssonntag, beginnt mit den Worten „Rorate caeli desuper et nubes pluant justum!“. Dieser Ruf hat diesem Gottesdienst seinen Namen gegeben. Die Verse sind aus dem Buch des Propheten Jesaja entnommen: „Tauet, ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten! Tu dich auf, o Erde, und sprosse den Heiland hervor!“ (vgl. Jes 45,8) Tau, Regen, das bringt den Menschen Leben und Wachstum. Und dieses neue Leben und Heil kommt von oben, wird uns von Gott geschenkt!
Maria hat der Welt das ewige Licht geboren, Jesus Christus. Dieses Licht möchte in jeder „Rorate-Messe“ neu in die Herzen aller Feiernden hineinleuchten und die Finsternis der Welt hell machen. Daran erinnern die Kerzenflammen in der „Rorate-Messe“. Sie wecken in den Gläubigen die Sehnsucht nach der Einheit mit dem einen großen Licht der Welt, Jesus Christus.
Heiligenfeste im Advent
In den Advent fallen einige Feste und Heiligen-Gedenktage. Die wichtigsten seien hier genannt:
Hl. Barbara (4. Dezember)
Am Fest der heiligen Barbara werden vielerorts Barbarazweige geschnitten, die dann zu Weihnachten blühen sollen. Dieser Brauch geht auf die im 3. Jhd. als Märtyrerin gestorbene Hl. Barbara zurück, die von ihrem heidnischen Vater in einen Turm gesperrt und später enthauptet wurde, weil sie ihrem christlichen Glauben nicht abschwor. Der Legende nach soll sich ein Kirchzweig in ihrem Gewand verfangen haben, den sie im Turm ins Wasser stellte und der dort zum Erblühen kam.
Hl. Nikolaus (6. Dezember)
Der Hl. Nikolaus ist wohl einer der populärsten Heilgengestalten. Vielerorts stellen Kinder über Nacht ihre Stiefel oder Teller heraus, um sie am folgenden Morgen gefüllt mit allerlei Süßem vorzufinden. Zurück geht dieser Brauch auf Nikolaus von Myra, der der Überlieferung nach im 3. Jhd. in der gleichnamigen kleinasiatischen Hafenstadt zunächst als Kaufmannsohn und dann als Bischof gewirkt haben soll. Seine in zahlreichen Legenden belegte Fürsorge für die Armen ist auch für uns Anstoß besonders im Advent ein Auge für die Bedürftigen unserer Tage zu haben.
Mariä Empfängnis (8. Dezember)
Das Marienfest steht in enger Beziehung zum Fest Mariä Geburt am 8. September, neun Monate später. Die vollständige (und kirchlich korrekte) Bezeichnung des Festes lautet: Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Es stellt Maria als zukünftige Gottesmutter in den Mittelpunkt der Betrachtung. Ihre erwartungsfrohe Haltung soll auch uns in der Vorbereitung auf das Fest der Geburt Jesu ein Vorbild sein.
Hl. Luzia (13. Dezember)
In Schweden und anderen nordischen Ländern ist das Luciafest am 13. Dezember ein fester Bestandteil des vorweihnachtlichen Brauchtums. Es ist geprägt vom Tragen weißer Gewänder und häuslichen Elementen wie traditionellem Gebäck und Gesang. Die vor allem in den skandinavischen Ländern verehrte `Lichtheilige´ und Märtyrerin passt sehr gut in unsere Adventszeit. Im frühen Christentum soll sie, um die Hände frei zu haben, der Überlieferung nach nachts mit einem Lichtkranz auf dem Kopf Bedürftigen Lebensmittel gebracht haben .. ein Anstoß auch für uns heute, die Armen nicht zu vergessen.
Bericht: Dr. Robert Koczy















