Hinausgehen und von Gott erzählen ...
09.05.2025 |
Leitgedanken zu Pfingsten 2025
von Thomas Rudolf,
Kooperator
Ich bin immer wieder angetan vom Evangelium, welches wir am Pfingstsonntag hören werden. Da tritt Jesus in die Mitte seiner Jünger, die total verstört und hilflos sind – und er wünscht ihnen Frieden (Joh 20, 19-23).
Keine Vorwürfe wegen ihres Unglaubens, kein Tadeln, weil sie ihm am Karfreitag im Stich gelassen haben, sondern einfach ein Friedensangebot. Und die Jünger können sich wieder freuen.
Und dann kommt noch mehr, Jesus setzt noch eins drauf: Empfanget den Heiligen Geist, so sagt er – und er haucht sie an. Nur ein Hauch, nur ein Atem – aber das genügt, um sie mit dem Heiligen Geist zu beschenken, mit Gottes Geist. Stiller und innerlicher geht es gar nicht. Die Geistsendung nach dem Johannes-Evangelium.
Wie anders geht es dagegen in der Apostelgeschichte zu: Laut und stürmisch, mit Brausen und Getöse, so dass die Menschen vor dem Haus zusammenlaufen, in dem sich die Apostel aufhalten.
Und dann fliegen die Fenster und Türen auf und die Apostel stürmen hinaus, um die Frohe Botschaft zu verkünden. Die Geistsendung nach der Apostelgeschichte. Unterschiedlicher geht es kaum. Welches ist denn nun der richtige Bericht? Nun, beide sind richtig, beide stimmen. In beiden steckt die ganze Wahrheit. Aber jeder hat seinen Zeitpunkt - und der eine ist die Voraussetzung für den anderen. Gott muss sich zunächst erst einmal schenken. Gott muss sich zuerst ein mal den Menschen ins Herz hineinlegen, damit sie zu „seinen“ Menschen werden und zu seiner Kirche. Und das geschieht wohl in der Stille; das ist ein sehr persönliches Geschehen - so wie wir es in der Taufe und bei der Firmung erleben dürfen. Wenn der Priester Menschen salbt – ganz ohne großes Spektakel, und jedem einzeln zusagt: Empfange die Gabe Gottes, den Heiligen Geist. Sei besiegelt mit dem Heiligen Geist. So entsteht Kirche; so entsteht Gottes heiliges Volk.
Aber dann ist da auch jedes Jahr Pfingsten. Und dieses Fest erinnert uns daran, dass wir nicht Kirche um unserer selbst willen sind. Wir empfangen den Geist Gottes nicht, damit er uns dann in Ruhe lässt, sondern damit er uns in Bewegung bringt. Gott will, dass seine Kirche sichtbar wird in dieser Welt; dass wir anderen Menschen Zeugnis geben von diesem Gott, dessen Volk wir sind.
Kirche ist von ihrem Herrn auf Mission angelegt: Wir sollen zu den Menschen gehen und ihnen unseren Gott zeigen - durch die Art und Weise wie wir leben.
Jesus sagt an einer Stelle: Wer mich sieht, sieht den Vater (Joh 14,9).
Und die Konsequenz daraus müsste sein: Wer uns sieht, der müsste auch Jesus Christus sehen; man müsste ihn uns ansehen - seine Liebe und Güte, seine Vergebung - mit all dem, was wir an Frieden zur Welt bringen. Und deshalb öffnen die Apostel an Pfingsten die Türen ihres Abendmahlssaales und gehen hinaus, um von dem zu künden, wovon sie erfüllt sind. Dazu treibt sie der Heilige Geist - und sie lassen sich - Gott sei Dank - bewegen.
Was die Apostel damals gemacht haben, das sollen wir heute tun: Hinausgehen und von Gott erzählen - und seinen Frieden, sein Heil zu den Menschen bringen. Damit die Welt an ihn glaubt.
Ihr Thomas Rudolf, Kooperator


