Die Zeit davor

21.11.2024 | Leitgedanken

von Kooperator Thomas Rudolf

Bald beginnt sie: diese für viele so stressbeladene, aber auch heilige Zeit- die Adventszeit. Noch gilt es die letzte Woche des Novembers zu überstehen, der für viele so sehr auf das Gemüt drückt. Dann aber kommt sie, die Adventszeit – und sie hat was! Allein die sonst so trüben, dunklen Straßen leuchten dann im Glanz der Lichterketten, der Sterne und Tannenbäume.
 

Aber was hat sie, diese Zeit im Advent? Sie ist die Zeit da-vor, vor Weihnachten:

  • Zeit der Vor-aussagen: Wie wird in diesem Jahr das Weihnachtsgeschäft laufen? Wird es ein Umsatzplus geben? Oder halten sich die Käufer zurück? Und die Wetterfrösche rätseln, ob es – hoffentlich doch und endlich einmal wieder- weiße Weihnachten geben wird.

  • Zeit der Vor-planungen: Welche Gäste werden wir in der Weihnachtszeit einladen? Welche Geschenke will ich besorgen? Wie viel Geld will ich ausgeben? Wohl dem, der vor-ausschauend planen kann.

  • Zeit der Vor-bereitungen: Da werden Plätzchen gebacken; sorgfältig werden Päckchen gepackt. Ja und dann werden die Häuser außen und innen mit elektrischen Kerzen und Lichtern geschmückt. Glücklich, wer sich in diesen Tagen nicht zu viel vor-nimmt.

  • Zeit des Vor-geschmacks: Wen verlockt es nicht, den Finger tief in die Teigschüssel zu tauchen und zu probieren, wie der Plätzchenteig geraten ist; ein weihnachtliches Vor-gefühl stellt sich ein.

  • Zeit der Vor-freude: Was werden die Kinder für Augen machen, wenn sie die vielen schönen Geschenke unter dem Christbaum finden? Während die Verkäuferin in der Spielwarenabteilung die Geschenke noch einpackt, eilen die Gedanken vor-aus in den Heiligabend.

  • Zeit der Vor-ahnungen: Mancher fühlt im Bauch ein Kribbeln vor Aufregung, vor allem die Kinder. Was werde ich bekommen? Wie wird Weihnachten werden? Doch bei anderen steigen dumpfe Ängste auf. Wird es wie immer Weihnachten Streit geben? Können wir Weihnachten feiern, bei so viel Auseinandersetzungen, Gewalt und Kriegen weltweit? Oder bin ich mir ganz gewiss: Dieses Jahr wird ein besonders Weihnachten werden, so schön wie noch nie!

Advent: Das ist für uns Christen die Zeit einer Vor-aussetzung: „Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt mit Macht!“ (Jes 40,10) – Gott, eine leicht zu vergessende Angelegenheit im Vor-Weihnachtstrubel!
 
Doch eigenartig der Spruch des Propheten Jesaja, der uns die nächsten Wochen begleiten soll! Denn Weihnachten kam Gott gerade nicht mit Macht. Sondern er kam als Kind, liegt in einer Krippe im Stall, weil sie in der Herberge kein Platz für ihn hatten. Aber gerade darin liegt die Macht, die Gewalt seines Kommens.
 
Es ist eine leise, eine stille, ja eine sanftmütige Macht, mit der er die Welt bis heute verändert: die Macht der Liebe! Sie wirft ihren Schein vor-aus in die dunklen Tage des Advents. Dass sie doch – auf ihre Weise – bei jedem zum Vor-schein komme in den kommenden Tagen! Das wäre die schönste Vor-bereitung für SEIN Kommen.
 
Herzlich grüße ich Sie auch im Namen unseres Seelsorgeteams
 
Ihr Kooperator Thomas Rudolf