Patrozinium und Vitusfest in Dittigheim feierlich begangen

04.07.2025 |

Mit einem festlichen Gottesdienst, einer kirchenmusikalischen Matinee und dem anschließenden Vitusfest beging die Gemeinde Dittigheim am Sonntag das Patrozinium zu Ehren des Heiligen Vitus.

Der Schutzpatron der Dorfkirche hat für die Gemeinde eine besondere Bedeutung – nicht nur geistlich, sondern auch weltlich, ziert er doch das Ortswappen.
Der Festgottesdienst wurde von Kooperator Rudolf zelebriert und musikalisch eindrucksvoll begleitet. Die Organistin Ulrike Lauer, der Singkreis Dittigheim mit dem Chor „Taktvoll“ unter der Leitung von Cloude sowie die „Vitussingers“ Katharina Bähne, Barbara Eckert und Regina Zembsch gestalteten die Messe mit abwechslungsreichen musikalischen Beiträgen. Thomas Drescher an der Orgel und die Sopranistin Anna Zackl trugen mit dem „Benedictus“ aus Haydns „Kleiner Orgelsolomesse“ zur besonderen Atmosphäre bei.
 
In seiner Predig würdigte Kooperator Rudolf die historische Rolle des Heiligen Vitus bei der Verbreitung des christlichen Glaubens in Europa. Als Märtyrer, der seinen Glauben trotz Verfolgung bewahrte, gilt Vitus als Symbol standhaften Glaubens und wurde im Mittelalter zu einer zentralen Figur der Christianisierung. Durch die Verbringung der Reliquien des Heiligen aus der Basilika Saint-Denis bei Paris um 800 in die Reichsabtei Corvey an der Weser, wurden Vitusverehrungen weiter nach Norden und Osten verschickt und dort zu Zentren der Missionierung.

 
Vitus werde oft mit drei Attributen – der Heiligen Schrift, dem Hahn und dem Kessel mit Öl – dargestellt. Der Hahn symbolisiere dabei Wachsamkeit, die es auch in der heutigen Zeit brauche, um Zeiten richtig auszudeuten und sich seiner eigenen Werte zu besinnen. Der Hahn erinnere darüber hinaus auch an die dreimalige Verleugnung Jesu durch Petrus, ein Bild für menschliche Schwächen, denen mit Glaubensstäke und Gemeinschaft begegnet werden könne. 
 
Ein besonderer Moment war die feierliche Aufnahme zweier neuer Ministranten. Kooperator Rudolf dankte den jungen Gläubigen für ihren Dienst an Gott und der Gemeinde und bezeichnete ihr Engagement als lebendiges Glaubenszeugnis – ganz im Geist des Heiligen Vitus. 
 

Kirchenmusikalische Matinee: Würzburg trifft Mainz in Dittigheim

Unter dem Motto „Geschichte(n) 2.0: Würzburg meets Mainz in Dittigheim“ fand im Anschluss an den Festgottesdienst zum Patrozinium eine kirchenmusikalische Matinee statt. Ulrike Lauer, während des Gottesdienstes selbst noch als Organistin tätig, lies hierbei den Heiligen Vitus selbst sprechen und führte in gewohnt humoristischer, fast schon kabarettistischer Weise, durch die kirchenmusikalische Matinee ohne dabei den informativen Gehalt der Ansagen zu schmälern. Als musikalische Gäste begrüßte Lauer die Würzburger Sopranistin und Gesangspädagogin Anna Zackl sowie Thomas Drescher, ehemaliger Bezirkskantor Tauberbischofsheims und späterer Diözesanmusikdirekt des Bistums Mainz. Die Verbindung von Würzburg und Mainz in Dittigheim geht bis ins 18. Jahrhundert zurück: Damals wurde der Neubau der Pfarrkirche durch Würzburgs Fürstbischof initiiert, unter Mitfinanzierung des Mainzer Domkapitels. Eine kulturelle Allianz, die nun musikalisch fortgeführt wurde.



Thomas Drescher eröffnete die Matinee mit dem feierlichen „Marche-Sortie“ von Théodore Dubois. Majestätische Akkorde und die klangliche Vielfalt der Dittigheimer Vleugels-Orgel verliehen dem Werk besondere Strahlkraft. Höhepunkte waren die gemeinsamen Darbietungen von Zackl und Drescher. Mit Händels „Lascia ch’io pianga“ ergriff Zackl das Publikum durch ihre emotional durchdrungene Interpretation. Auch die Arie „Ombra mai fu“ aus Händels Oper „Xerxes“ zeigte das fein abgestimmte Zusammenspiel zwischen Orgel und Sopran. Zackls klare, ausdrucksstarke stimme verlieh der barocken Schlichtheit des Stücks besonderen Glanz.
 
Zum Abschluss erklang Schuberts Kunstlied „Die Forelle“, bei dem Zackl von Drescher am E-Piano begleitet wurde. Ihre lebendige Interpretation wurde durch das fließende Klavierspiel eindrucksvoll untermalt. Allegorisch als Sinnbild für menschliches Ringen um die Gefahren des Alltags gedeutet, entließ das beschwingte Finale das Publikum ins anschließende Vitusfest. Das Zusammenspiel von Geschichte, Musik und Glaube zeigte einmal mehr, dass Dittigheim seine kulturellen Wurzeln lebendig hält – und der Heilige Vitus aktueller denn je ist. Bericht: Madeleine Wagner